Exzellenz und Elite: mehr Fragen als Antworten Frankfurt in Takt 10/1 Editorial Schwerpunktthema EXZELLENZ und ELITE Wenn in Deutschland in den letzten Jahren öffentlich über Hoch- schulen diskutiert wurde, dann ging es sehr oft um „Exzellenz“. Vor allem die milliardenschwere „Exzellenz-Initiative“ der Bundes- regierung rückte das Thema in den Mittelpunkt der Debatte, und die exzellentesten Hochschulen gelten seitdem als „Elite-Hoch- schulen“. Anlass genug für uns, „Exzellenz“ und „Elite“ einmal in den Mittelpunkt einer Ausgabe der „Frankfurt in Takt“ zu rücken und zu fragen: Sind auch wir eine „Elite-Hochschule“, gehören unsere Studierenden einer zukünftigen „Elite“ an und welche Rolle spielt „Exzellenz“ in unseremHaus? Die meisten Hochschulen nehmen für sich in Anspruch, exzellent zu sein. Auch ich argumentiere auf dieser Ebene, wenn ich für unsere Hochschule werbe – erfüllen wir doch wesentliche Kriterien, die eine „Elite-Hochschule“ ausmachen: • Unsere Studierenden sind ausgesucht – zehn Bewerber kommen im Schnitt auf einen Studienplatz. • Unsere Studierenden haben sich viele Jahre auf das Studium vorbereitet und sind deshalb hoch motiviert. • Unsere Abbrecherquoten sind mit Abstand die niedrigsten im gesamten hessischen Hochschulbereich; 90 Prozent der Studieren- den, die bei uns eine Ausbildung beginnen, beenden diese auch. • Unsere künstlerische Ausbildung ist international gefragt: Während Universitäten darum kämpfen, den internationalen Anteil ihrer Studierenden auf 15 Prozent zu erhöhen, liegt unser Auslän- deranteil bei 34 Prozent. Lediglich unsere Finanzierung entspricht nicht dem Standard einer „Elite-Hochschule“, da gehören wir eher zu den Kellerkindern mit einer mageren Personalausstattung in Lehre und Verwaltung sowie ohne Mittelbau. Für diese Ausgabe von „Frankfurt in Takt“ haben wir der Hochschu- le nahe stehende Persönlichkeiten und unsere Lehrenden und Studierenden zu Wort kommen lassen. Bei den Studierenden haben wir vor allem die nach ihrer Haltung zu „Exzellenz“ und „Elite“ befragt, die auf Grund besonderer Erfolge und Leistungen von außen sicherlich als „exzellente Elite-Studierende“ bezeichnet würden. Ihre Stellungnahmen sind nachdenklich und differenziert: Durchgängig werden mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben, herrscht eher Selbstbefragung statt Selbstgewissheit, ist stetes Bemühen um Weiterentwicklung angesagt statt stolzen Elitebewusstseins.
