FrankfurtInTakt-FiT-Fruehjahr2010

Frankfurt in Takt 10/1 Karl Rarichs Sie haben Recht. Hier ist durchaus ein Vergleich mit Höchstleistungen im Sport gegeben, wobei wir wissen müssen, dass sowohl im künstlerischen als auch im sportlichen Bereich die technische Entwicklung im Sinne noch höherer Virtuosität irgendwo einmal ausgereizt ist und leicht zu Überforderung führt. Schon heute gibt es viele Sportler, die deshalb in späteren Jahren mit großen gesundheitlichen Schäden zu kämpfen haben. Im künstleri- schen Bereich zeigt sich die Überforderung durch den heutigen Stress und die oft gewaltige nervliche Belastung. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass die Technik zum Schwerpunkt der künstlerischen Arbeit wird und die geistige Entwicklung dem nicht folgen kann. Von den heutigen Künstlern verlangt man aber, dass sie neben der technischen Weiterentwicklung auch über eine umfassende Allgemeinbildung verfügen. FiT Ist Reife nicht vor allem eine Frage des Alters? Karl Rarichs Nicht nur. Zwar hat beispielsweise Verdi eine seiner hervorragendsten Opern, den Falstaff, erst mit 79 Jahren geschrie- ben; gleichwohl gibt es aber heute in allen – so auch in den künstlerischen Bereichen – Beispiele von Frühreife, die oft erstaun- lich sind. Denken sie nur an unsere junge HfMDK-Professorin Julia Fischer, die trotz ihrer Jugend nicht nur eine außergewöhnliche Pädagogin ist, sondern bereits im Alter von 16 Jahren bei den Weilburger Schlosskonzerten das Violinkonzert von Beethoven Elena Graf studiert Violine bei Prof. Julia Fischer, ist be- reits mit mehreren Orchestern als Solistin aufgetreten und betreibt intensiv Kammermusik. Derzeit fungiert sie als Konzertmeisterin in der Jungen Deutschen Philharmonie und ist Aushilfe bei den Berliner Philharmonikern: „Für mich ist der Begriff Elite negativ geprägt. Zur Elite gehört nur ein sehr kleiner Teil der Menschheit und ist meist durch Hilfe anderer dazu gekommen. Meistens haben nur die Besten und Jüngsten etc. die Möglichkeiten, gut gefördert zu werden. Aber man sollte vielmehr die Allgemeinheit fördern als ledig- lich die Elite... Das sollte sich ändern!“ exzellent? Vom schmalen Grat zwischen Anspruch und Ausgrenzung Elitärund Ganz Links: Karl Rarichs steht der Hochschulleitung als Mitglied des Hochschul- rates mit jahrzehntelanger Erfahrung im Musikgeschäft beratend zur Seite. Drittes Bild von Links: Probespieltrainings, hier mit Trompetern im Großen Saal der Hochschule, helfen den Studierenden, sich auf den „Ernstfall“ vorzubereiten. Das Feedback der kompetenten Jury ist allerdings jetzt schon „echt“.

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