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Orpheus auf neuen Wegen – Gesangsausbildung im Team

Die Gesangsabteilung der HfMDK Frankfurt nahm die Umstellung auf die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge wahr als Möglichkeit, die tradierten Vermittlungsmethoden in Frage zu stellen und wagte einen mutigen Neubeginn:

Das Frankfurter Orpheus-Projekt steht für ein in der deutschen Musikhochschullandschaft einmaliges, ganzheitliches, praxisorientiertes und nachhaltiges Konzept. 

Durch – in der Gesangsausbildung bislang vollkommen unübliches – Team-Teaching und offene Unterrichte, die von einem kollegialen Miteinander geprägt sind, greifen die Unterrichte ineinander und der Lerneffekt wird multipliziert. Gleichzeitig erhalten die Studierenden schon frühzeitig während des Studiums Gelegenheit, intensive Erfahrungen in der Berufspraxis zu sammeln. 
Wir wollen hier die Elemente dieses neuen Unterrichtsansatzes genauer vorstellen:  

1. Dozenten lernen von- und miteinander

Dozenten lernen von- und miteinander – Team-Teaching & Offener Unterricht

Der Weg zum Team

Im europaweit in Gesangsabteilungen einmaligen Team-Teaching-Modell des Frankfurter Orpheus-Projekts besuchen seit 2008 die Dozenten regelmäßig gegenseitig die Unterrichte und unterrichten gemeinsam:

Solorepetitoren besuchen die Gesangsunterrichte, um der Einhaltung angemessener Tempi, der Lösung technischen Probleme und der musikalischen Gestaltung gemeinsam nachzugehen. Gesangsdozenten besuchen die Unterrichte im Fach «Liedgestaltung», um gemeinsam die besonderen technischen und musikalischen Aspekte im Liedgesang zu beleuchten.

Gesangsdozenten nehmen auch an einer Gruppenstunde im Fach «Atem und Bewegung» teil, und die Dozentin für dieses Fach besucht wiederum regelmäßig die Einzelunterrichte im Fach Gesang, um den Gesangsdozenten eine Hilfestellung bei der Behebung von Verspannungen und Haltungsproblemen der Studierenden zu geben. Die Sprecherzieher korrigieren die Sprechtexte und die Aussprache beim szenischen Unterricht und die Gesangsdozenten besuchen die Szene, um sich darüber zu informieren, wie die sängerische Technik in der Szene verlässlich implementiert werden kann.

Offener Unterricht  Gesang

In Abständen von ca. 6 Wochen finden offene Unterrichte statt. Dabei unterrichtet ein Gesangsdozent die Studierenden seiner Klasse, die anderen Gesangsstudierenden und Dozenten hospitieren. Danach verlassen alle Studierenden den Raum und die Dozenten haben die Möglichkeit zum Austausch mit dem Ziel, die eigenen Methoden zu reflektieren.  

2. Dozenten und Studierende lernen von- und miteinander

Dozenten und Studierende lernen von- und miteinander – Gemeinsame Auftritte

Auch die gemeinsamen Auftritte von Dozenten und Studierenden spiegeln das zentrale Anliegen des Orpheus-Projektes wider: Lernen von und miteinander sind in unserer Abteilung nicht hierarchisch, sondern interaktiv definiert.

Gemeinsame Konzerte als Forschungsprojekt

Einmal im Jahr gestalten Dozenten und Studierende ein gemeinsames Konzert zu einem bestimmten Thema. Hierbei steht die Recherche am Beginn eines Prozessen, in dem Dozenten wie Studierende Lieder/Arien aus anderen Kulturkreisen in den zugehörigen Sprachen zuerst in der Bibliothek einen Werkkatalog erstellen und sich gemeinsam auf ein Konzert vorbereiten. Gemeinsame Konzerte wurden bisher zu folgenden Themen durchgeführt:

  • 2008: Skandinavische Nacht  
  • 2009: Slawische Nacht 
  • 2010: Mediterrane Nacht 
  • 2011: Amerikanische Nacht (Oktober)

Bach-Kantaten-Projekt – Aufführung aller Kantaten von J.S. Bach

Einmal im Monat wird in Zusammenarbeit mit der evangelischern Landeskirche eine Kantate von J. S. Bach aufgeführt; auch hier werden die solistischen Aufgaben von Lehrenden und Studierenden übernommen. Das Orchester und die Dirigenten sind professionelle Musiker.

Mentorensystem

Jeder Jahrgang hat seine Mentorin/seinen Mentor. Diese sind als Studienberater tätig, geben aber auch Anstöße für Konzert- oder Museumsbesuche.

Während Mentorensysteme im universitären Kontext schon länger eingeführt sind, ist das Mentorensystem im Orpheus-Projekt unter allen deutschen Musikhochschulen das einzige seiner Art.

3. Studierende lernen von- und miteinander

Studierende lernen von- und miteinander – Praxistraining

 Das gegenseitige aufmerksame Zuhören und Beobachten von Auftritten der Kommilitonen ist die beste Methode, die eigenen Auftritte vergleichend zu verbessern. Durch die von Dozenten und Studierenden gelebte gegenseitige Achtung voreinander und den gleichzeitigen extrem hohen professionellen Anspruch wird die stets strenge Kritik wertschätzend geäußert und bleibt konstruktiv.

Auftrittstraining

Regelmäßiges Auftrittstraining bildet vom Anfang des Studiums an einen curricularen Schwerpunkt. Wir unterscheiden hierbei vier unterschiedliche Vorsing-Situationen, die nacheinander erprobt werden und in denen die Studierenden aus dem Schutzraum des Einzel-Unterrichts zum sicheren öffentlichen Auftritt außerhalb der Hochschule geführt werden.

Klassenstunde

Hier singen die Studierenden vor den Kommilitonen derselben Klasse. Jeder Gesangsdozent hält Klassenstunden ab, die Häufigkeit variiert je nach Klasse zwischen einmal wöchentlich bis zu einmal monatlich. Diese Klassenstunden sind dem jeweiligen Lehrenden und seiner Klasse vorbehalten.

Lunchtime-Konzerte

Diese Konzerte sind zugänglich für Lehrende und Studierende des Fachbereichs «Darstellende Kunst». Die Lunchtime-Konzerte werden auf Video aufgezeichnet und jeder Studierende erhält seinen Ausschnitt des Konzerts zur Lernkontrolle.

Öffentliche Hochschul-Konzerte/Szenenabende

Hier findet eine öffentlich zugängliche Vorsing-Situation im Rahmen von vier Konzerten und zwei Szenenabenden pro Studienjahr im bekannten Rahmen statt.

Öffentliche Konzerte/Operngastspiele außerhalb der Hochschule

Hier wird jenen Studierenden eine Auftrittsmöglichkeit gegeben, die sich im Rahmen der anderen Auftritts-Situationen bereits bewährt haben. Diese Auftrittsmöglichkeiten finden im Rahmen von eigenen Produktionen statt, in Kooperation mit den Theatern der HTA oder aber sie werden von der der HfMDK angeschlossenen Künstlerbörse vermittelt.

4. Orpheus begleitet in den Beruf

Orpheus begleitet in den Beruf – Aufbau Netzwerk

Die Professionalisierungswoche

Unter der Anleitung von Annette Berg (www.kultur-kompetent-coachen.de) veranstaltet die Abteilung seit drei Jahren vor dem jährlichen Intendantenvorsingen einen Intensivkurs, in dem theoretisches Wissen über Theatersysteme in Deutschland und Europa, versicherungstechnische Fragen, Umgang mit Agenturen etc. vermittelt werden. Darüber hinaus findet in Einzel- und Gruppensitzungen ein Auftrittstraining mit Pianisten und Videodokumentation statt.

Vorsingen für Opern-Engagements und Konzert-Engagements

Um den Studierenden die Kontakte ins Berufsleben zu erleichtern, veranstalten wir jährlich in der Hochschule ein Vorsingen für Intendanten/Operndirektoren und namhafte internationale Agenturen sowie ein Vorsingen für Kantoren und Kirchenmusikdirektoren.

Teilspielzeitverträge und Stückverträge

Im Rahmen der Master-Ausbildung haben wir in enger Zusammenarbeit mit den Häusern der Hessischen Theaterakademie ein Modell entwickelt, welches den Studierenden ermöglicht, einen Teil der Master-Ausbildung im Rahmen eines Teilspielzeit-Vertrages in einem der HTA-Theater zu absolvieren.

Darüber bieten sich durch die hohe Zahl der Kooperationspartner und die hervorragende Qualität der an der HfMDK ausgebildeten SängerInnen eine eindrucksvolle Anzahl an Gast-Engagements im In- und Ausland.

Produktionen

Neben den regelmäßig stattfindenden öffentlichen Szeneabenden zu Semesterende finden eigene Produktionen, zum Teil in Koproduktion mit anderen Ausbildungsstätten der HTA, sowie Produktionen in Kooperation mit anderen Theatern statt.

Unser Fazit

Das Frankfurter Orpheus-Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass hoch motivierte und fachlich kompetente Dozenten mit einer gemeinsamen Vision das individuelle berufliche Image der Studierenden profilieren und ihnen so einen ganz persönlichen Weg in ein erfolgreiches Berufsleben ebnen.

Durch die vielfältigen Kontakte der Gesangsabteilung zu Opernhäusern, Festivals und Agenturen erhalten die Studierenden zahlreiche Auftrittsmöglichkeiten und können sich schon während des Studiums ihr eigenes künstlerisches Netzwerk aufbauen, das notwendige Grundlage einer erfolgreichen Berufskarriere als Opern- und Konzertsänger ist.

Das Feedback und die Engagements unserer Studierenden belegen eindrucksvoll, dass der im Orpheus-Projekt beschrittene Weg sich lohnt und sowohl qualitativ als auch emotional gestärkte Studierende hervorbringt. Die hervorragenden Ergebnisse und die ganz besondere Arbeitsweise haben sich herumgesprochen. Nicht zuletzt deshalb ist die Anzahl der herausragenden Talente, die im Bereich Gesang der HfMDK studieren möchten, in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen.

Die HfMDK entwickelt sich dank des Orpheus-Projektes zu einer der führenden Adressen der Gesangsausbildung in Europa.

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