
...ist ein Forschungsvorhaben des Studiengangs Theater- und Orchestermanagement an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Im Zentrum stehen die Analyse der derzeitigen Krise des deutschen institutionellen Theater- und Orchestersystems, die Untersuchung der verschiedenen, bereits existierenden Reformansätze in öffentlich geförderten Theater und Orchestern und in der freien Szene in Deutschland aber auch in den europäischen Nachbarländern und schließlich die Entwicklung verschiedener Szenarien einer zukünftig möglichen Theaterlandschaft und ihrer einzelnen Institutionen.
Kerngedanken dieses Vorhabens sind
• zum einen die Zukunftsfähigkeit der Theater und Orchester, im Sinne der Herausbildung neuer Organisationsformen, Produktionsstrukturen, Vernetzungen und Kooperationen
• die Bewahrung des Möglichkeitsraums Theater als Ort künstlerischen Experiments aber auch der verschiedenartigen Begegnung mit dem Publikum.
Das Thema Zukunft der Theater wird schwerpunktmäßig in den Fächern Kulturwirtschafts- und Managementlehre, Theater- und Orchestermanagement und den Colloquien der verschiedenen Jahrgangsstufen behandelt, aber auch mit den anderen Lehrfächern vernetzt.
Die Studenten des 2. und 4. Semesters haben in Grundlagenessays ihre konzeptionellen Ausgangsgedanken dazu dargelegt, die sie in den kommenden Wochen weiterentwickeln. An dieser Stelle wollen wir Ausschnitte und Grundgedanken der ersten Entwürfe vorstellen.
(Prof. Thomas Schmidt)
Kristin Wömmel, 4. Semester
Das Theater der Zukunft wird ein Ort sein, an dem immerfortwährend die Vergangenheit in Zukunft umschlägt, Zwar werden auch in der Zukunft neue technische Fortschritte das Theater erreichen und damit die Kunst beeinflussen, jedoch lebt es gleichzeitig von seinen vielfältigen Traditionen, die es zu bewahren gilt. Diese beiden Pole werden das Theater auch in Zukunft beleben, solange das Theater bereit ist, sich im Zeichen seiner Zeit zu wandeln.
Jacqueline Allers- Ullrich, 2. Semester
Das aktuelle Überangebot schafft leider nicht nur Wohlstand, sondern auch Verwirrung in der Gesellschaft. Was ist gut, was ist schlecht, was ist zu viel?
Oft wird nur gehört, wer am lautesten schreit.
Durch die Befreiung von Form und Tradition gibt es neue Wege und Räume für das Theater. Vielfältigkeit und neue Äußerungsformen haben eine Plattform für ihre Entwicklung. Exzeptionelles aber auch willkürliches findet statt.
Nadja Dietrich, 4. Semester:
Nach Art eines Reiseleiters heißt der „Theaterguide“ die Besucher willkommen, gibt ihnen das Gefühl gerne gesehen zu sein, und wünscht ihnen einen gelungenen Theaterbesuch.
Susanne Blank, 2. Semester
Kulturelle Lobbyarbeit wird in zunehmenden Maße als Vermittlungsorgan fungieren. Dafür braucht es Theater- und Orchestermanager, weitsichtige Diplomaten, die über Verhandlungsgeschick und das know-how sowohl im künstlerisch –ästhetischen als auch im Betriebs- und Rechtswissenschaftlichen liegen.
Anna Bailer, 2. Semester
Durch die Vereinheitlich aller Tarife wird die Gleichstellung vorangetrieben. Auch die Spitzenverdiener wie der Intendant, der Geschäftsführer etc. müssen in diesen Zusammenhang einen Teil ihres Gehaltes einbüßen. Bei diesen Kürzungen ist die oberste Prämisse, dass die erbrachte Leistung nicht im Missklang mit dem monatlichen Gehalt steht.
Jonas Steinert, 2. Semester
Mein Theater ist beweglich, quirlig, es ist so konzipiert, dass es auf Veränderungen gedanklich wie auch technisch reagieren kann. Abos, Spielzeithefte, Spielzeitthemen und aufgeblasenen Gedankensalat gibt es nicht. Schon aber Imagebroschüren und Kundenkarten. Ich habe mir gerade überlegt, warum ich das Theater mag und es schon immer mochte, und das vergesse ich leider leicht – es sind die Möglichkeiten des Theaters. Die Möglichkeit, für eine bestimmte Zeit an einen bestimmten Ort die sonst üblichen Regeln außer Kraft zu setzten, künstlerisch zu intervenieren und diesen schönen Hauch von Freiheit und Lebendigkeit zu verbreiten. Das geht aber nicht so gut, wenn es in jetzigen Theaterzusammenhängen zumeist um Legitimationsfragen geht, wenn die KünstlerInnen mehr als Bittsteller denn als gesellschaftliche Kraft von Substanz wahrgenommen werden
Sarah Granheis, 2. Semester
Im Theater sind diese drei Größen Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft immer präsent – dies allein durch die Prozesshaftigkeit einer Inszenierung. Der wichtigste Faktor ist hier allerdings wieder der Mensch, da er dem Theater Leben einhaucht.
Julia Baldauf, 2. Semester
In einer kleinen oder mittelgroßen deutschen Stadt ist das Theater in erster Linie ein Begegnungsraum. Idealerweise ist das Theater ein geschützter Raum, in dem Menschen miteinander über ihre Erlebnisse und Meinungen in Interaktion treten. In einer komplexer werdenden Gesellschaft gleicht ein Theater ebenso einer Aussichtsplattform, die den kulturellen Wurzeln der Menschen einen Halt bietet und gleichzeitig eine Perspektive in die Zukunft ermöglicht.
Annika Klein, 2. Semester
Ein ausgewogenes Verhältnis von jungen und erfahrenen Mitarbeitern ist nötig um das vorhandene Wissen an die nächsten Generationen weiterzugeben und somit zum Erhalt und zur Pflege der Berufe und der Kunst am Theater beizutragen.
Aylin Leysieffer, 4. Semester
Die Kunst darf sich niemals vollkommen von ihrer gesellschaftlichen Verantwortung freisprechen. Theater bedeutet für mich Zeitgeschichte und als wegweisende, sinnstiftende Kraft kann das Theater mitreden, bewegen, Hoffnung schenken und mit aufwirbelnden Fragen auf die politischen Verhältnisse seiner Zeit einwirken. Das Theater der Zukunft muss sich seiner Verantwortung stellen, Kunst machen für jetzt und für nachfolgende Generationen. Dabei geht es mir vor allem um den verantwortungsbewussten Umgang mit der Freiheit. Das schließt auch den verantwortungsbewussten Umgang mit der hart erkämpften Kunstfreiheit mit ein. Die Kunst, die sich selbst in ihrer Sinngebung, in ihrer Bedeutung und in ihrer Ästhetik immer wieder neu hinterfragte, darf nicht stehen bleiben beim „L´art pour L´art“ Gedanken. Die Kunst muss dem Menschen etwas zurückgeben, als solches darf sie natürlich auch mal nur für sich selbst stehen, sie darf unterhalten, soll sogar unterhalten, aber sie muss auch politisch aktiv werden dürfen. Die Trennung von Politik, Kunst und Gesellschaft kann niemals vollkommen vollzogen werden und derjenige, der auf diese Trennung blind vertraut, ist nicht naiv, sondern handelt verantwortungslos.